14. Oktober 2011 Themen- und Diskussionsabend

Alternative Energien nutzen auch dem Geldbeutel


Die Energiewende bestimmt derzeit die politische Diskussion. Aber welche Möglichkeiten gibt es, um den Energiebedarf der Zukunft zu decken? Dieser und anderen Fragen ging man bei einem Themen- und Diskussionsabend nach, zu der die CSU ins Kolpinghaus eingeladen hatte. Eine hochkarätige Expertenrunde stand den interessierten Bürgern Rede und Antwort. Die Fachleute beleuchteten die Thematik von ganz unterschiedlichen Seiten: Diplom-Ingenieur Reinhold Eger vom Ingenieurbüro Sowatec gab einen Überblick über den derzeitigen Stand der Energieversorgung in Erbendorf und gab auch einen Ausblick, auf das was in Zukunft kommen könnte. Er sprach sich ganz eindeutig für einen weiteren Ausbau der dezentralen Versorgungsnetze aus. Auch die Stromnetze sollten nach seiner Meinung in Zukunft von regionalen Betreibern oder Stadtwerken betrieben werden. Das größte Potential liege nach seiner Meinung aber in der Energieeinsparung. Die beste Energie sei, diejenige die man gar nicht verbraucht, so Eger.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen beleuchtete Dr. Alfred Scheidler. Er befürwortet den Ausbau der regenerativen Energien, lehnt aber die derzeitigen Vorstellungen des Regionalen Planungsverbandes zu den Windkraftstandorten kategorisch ab. Stattdessen empfiehlt der Jurist und Dozent für Bau- und Verwaltungsrecht den betroffenen Kommunen sich zusammenzutun und gemeinsame Flächennutzungspläne aufzustellen. Damit haben die Städte und Gemeinden selbst in der Hand wo Windkraftanlagen gebaut werden können und wo nicht.

Ob sich eine Windkraftanlage überhaupt rentieren kann, darüber referierte Johannes Reger, der sich in den letzten Wochen und Monaten intensiv in das Thema eingearbeitet hat. Viele verschiedene Faktoren spielten eine Rolle, damit eine Windkraftanlage am Ende auch wirtschaftlich erfolgreich arbeitet. Planer und Projektanten präsentieren im Vorfeld oft sehr positive Berechnungen. Auch werden potentielle Investoren oft über die tatsächlichen Kosten im Unklaren gelassen. „Man wird durch Windenergie nicht reich aber man leistet damit einen guten Beitrag für eine saubere Umwelt“, so das Resümee von Johannes Reger.
In der anschließenden Diskussion konnte man kein einheitliches Meinungsbild in der Bevölkerung erkennen. Grundsätzlich, so scheint es stehen die Erbendorfer alternativen Energien und auch der Windkraft durchaus aufgeschlossen gegenüber. Aber es wurde auch sehr deutlich, dass sich die Bürger beim Thema Windkraftanlagen nicht übervorteilen lassen wollen. Ein ostbayerischer Windgürtel bei dem eine Anlage neben der anderen steht, während andere (ober)bayerische Regionen komplett verschont bleiben, wollen die Menschen nicht akzeptieren. Ebenso wenig wie den Einstieg von auswärtigen Investoren in den lukrativen Markt der Energiegewinnung. Wenn man diese Anlagen schon jeden Tag ansehen müssen, dann wollen wir davon auch etwas haben. Die Wertschöpfung soll in der Region bleiben, so der einhellige Tenor.

Landtagsabgeordneter Tobias Reiß, seit kurzem Leiter der Energiekommission fordert eine offene Kommunikation mit den Bürgern. „Wir müssen den Bürgern die Möglichkeiten aufzeigen, die der Umstieg auf erneuerbare Energien vor Ort bietet.“ Für die Akzeptanz sei es unerlässlich, dass nicht in München entscheiden wird, was vor Ort gemacht wird. „Die Menschen dürfen nicht das Gefühl bekommen, dass man ihnen von außen etwas aufdrängt“, so der Landtagsabgeordnete. Besonders der ländliche Raum habe durch die Energiewende enorme Chancen die regionale Wertschöpfung zu steigern. „Wenn wir den Bürgern zeigen, dass ihr Engagement nicht nur ihrem ökologischen Gewissen, sondern auch ihrem Geldbeutel nutzt, werden sie die Energiewende aktiv mitgestalten.

Kritik am Regionalplan-Entwurf


Nach dem Aus für die Kernenergie sollen in Bayern bis in zehn Jahren 1500 neue Windkraftanlagen gebaut werden. Dr. Alfred Scheidler, Oberregierungsrat am Landratsamt Neustadt und Lehrbeauftragter an der Uni Bayreuth sieht dieses Ziel nicht unkritisch. Bei dem Themen- und Diskussionsabend zur Energiewende in Erbendorf beleuchtete der Jurist vor allem die planungsrechtlichen Aspekte für den Bau von Windkraftanlagen.

Keine unkontrollierte Verspargelung der Landschaft

Um den Anwesenden zunächst einen Eindruck von der Höhe moderner Windkraftanlagen zu geben, präsentierte Scheidler zunächst ein Schaubild. Daraus ging sehr eindrucksvoll hervor welche Höhe moderne Windkraftanlagen im Vergleich zu den bisherigen Bauwerken erreichen. Mit einer Höhe von mehr als 180 Meter fielen solche Anlagen nicht mehr unter das gewöhnliche Baurecht sondern auch unter das Immissionsschutzrecht. Scheidler erläuterte, dass Windkraftanlagen grundsätzlich überall im Außenbereich aufgestellt werden dürfen, da es sich um sogenannte privilegierte Bauvorhaben handle. Um einer „unkontrollierten Verspargelung der Landschaft“ vorzubeugen hat der Gesetzgeber jedoch eine Art Bremse eingebaut. So kann der regionale Planungsverband sogenannte Vorrangflächen für Windkraftanlagen ausweisen. Die Konsequenz sei, dass im übrigen Gebiet keine weiteren Windkraftanlagen zulässig seien.

Regionalplanung ist unausgewogen

Bei dem derzeitigen Regionalplan-Entwurf für die nördliche Oberpfalz sind nach Angaben von Dr. Scheidler insgesamt 6440 Hektar an solchen Vorrangflächen für die Windkraftnutzung ausgewiesen. Scheidler hält den Entwurf als unausgewogen zu Lasten der nördlichen Oberpfalz. „Ich bin erschrocken, als ich die Planungen zu ersten Mal gesehen habe!“ Er kritisierte vor allem die ungleiche Verteilung der Windenergiestandorte mit einem deutlichen Süd-Nord-Gefälle. Allein auf den Landkreis Tirschenreuth fallen davon 4400 Hektar, was einen Anteil von knapp 70 Prozent entspreche. Im Landkreis Schwandorf seien dagegen lediglich 250 Hektar ausgewiesen. Aspekte wie der Einfluss auf das Landschaftsbild und damit auch auf den Tourismus wurden im vorliegenden Entwurf zu wenig berücksichtigt.

800 Meter sind zu wenig

Scheidler kritisiert aber auch die zu geringen Mindestabstände zur Wohnbebauung. Nur 800 Meter von Wohnsiedlungen entfernt dürften nach den Planungen künftig Windkraftanlagen entstehen. Bei Einzelgehöften liege der Abstand nur bei 500 Metern.

Erbendorf hat Hausaufgaben gemacht

Dr. Scheidler befürworte grundsätzliche die Windenergienutzung. Die Entscheidung darüber müsse jedoch bei den Kommunen und bei den Bürgern vor Ort liegen. Er empfahl, den betroffenen Gemeinden gemeinsame Flächennutzungspläne aufzustellen. Zweiter Bürgermeister Johannes Reger ergänzte, dass die Stadt Erbendorf hier bereits ihre Hausaufgaben gemacht habe. Man habe bereits vor zwölf Jahren am Steinbacher Berg einen entsprechenden Plan ausgewiesen.

Viele Windkraftanlagen rentieren sich nicht

„In keinem anderen Bereich gibt es so viele Scharlatane, die ihnen das Blaue vom Himmel versprechen“, so 2. Bürgermeister Johannes Reger zum Thema Rendite von Windkraftanlagen. Ob sich eine Windkraftanlage unterm Strich auch rentiere hängte von vielen einzelnen Faktoren ab. Reger hatte sich in den letzten Wochen intensiv in den Themenbereich eingearbeitet und war auf eklatante Ungereimtheiten gestoßen. „Jeder erzählt ihnen etwas anderes.“
Nur bei hohen Windgeschwindigkeiten wird Strom erzeugt

Standort muß passen

Für einen Investor sei es deshalb sehr schwierig diese Zusammenhänge zu erkennen, so Reger. Es werden immer nur Teilaspekte beleuchtet, aber nie die gesamte Kette. Unkorrekte Zahlen gibt es oft bereits bei den Angaben zum Windaufkommen an bestimmten Standorten. Neben dem durchschnittlichen Windaufkommen spielen vor allem die Windgeschwindigkeiten eine Rolle. Damit eine Turbine die Windenergie ausnutzen kann sind kontinuierlich hohe Windgeschwindigkeiten notwendig. Ein wichtiger Einflussfaktor ist neben der Windgeschwindigkeit auch die Windverteilung übers ganze Jahr. Reger hatte sich die Mühe gemacht konkrete Messergebnisse bestehender Windkraftanlagen gegenüber zu stellen und in anschaulichen Kurvendiagrammen darzustellen.

Tatsächliche Kosten oft viel höher als angegeben

Daneben werden Interessenten oft über die tatsächlichen Kosten im Unklaren gelassen, sagte Reger. Zu dem Preis für die Anlage selbst, kommen noch erhebliche Investitionen für die Erschließung, die Netzanbindung und für Planungskosten hinzu. Ganz zu schweigen von den Wartungskosten, die bei vielen Berechnungen ebenfalls fehlen. Aber vor allem die Kostenseite bestimmt was am Ende für den Investor übrig bleibe, so Reger.

Bürger wollen Rendite

Wenn wir eine Bürgerwindanlage bauen, erwartet der Bürger auch eine entsprechende Verzinsung. Viele der heute bestehenden Windkraftanlagen rentieren sich unterm Strich nicht. Reger resümierte: „Man wird durch Windenergie nicht reich aber man leistet damit einen guten Beitrag für eine saubere Umwelt.“

Reinhold Eger: "Versorgungslandschaft wird sich ändern!"

Die Stadt Erbendorf ist bereits jetzt ein Vorreiter, bei der Nutzung von regenerativen Energiequellen für die Strom- und Heizenergie. Der Anteil der regenerativen Stromquellen liegt bei stattlichen 26 Prozent. Erbendorf sei damit beispielgebend für viele andere Gemeinden, so Reinhold Eger vom Ingenieurbüro Sowatec. Die Stadt sei hier ohne Zweifel der Motor einer dezentralen Energieversorgung, wie es sich die Politik und Gesellschaft wünscht. Schon seit Jahren wird hier das Fernwärmenetz kontinuierlich ausgebaut.
Nach und nach wurden auch einige öffentliche Gebäude an dieses Versorgungsnetz angeschlossen. In Erbendorf sei die Situation schon alleine deshalb optimal, weil die anfallende Abwärme während der Sommermonate zum Heizen des Schwimmbades verwendet werden kann. Das Blockheizkraftwerk habe deshalb eine hervorragende Auslastung. Energetisch bedenklich seinen für den Fachmann dagegen Biogas-Anlagen die Abwärme ihrer Anlage nicht nutzen können.
Eger sprach sich für einen kontinuierlichen Ausbau der dezentralen Versorgungsnetze aus. Dazu gehöre neben dem Nahwärmenetz auch das Stromnetz. Der Schlüssel zum Erfolg für eine unabhängige dezentrale Energieversorgung sind nach Meinung von Reinhold Eger intelligente Stromnetze. Diese müssen es in Zukunft ermöglichen, dass viele kleine Stromerzeuger ihre Energie in die Netze einspeisen können. Die bisherige Netzarchitektur könne dies bisher nur bedingt.
Die Überlegungen die es in Erbendorf gebe, das Stromnetz selbst zu übernehmen, um unabhängig von den großen Stromanbietern zu werden, sei ein Schritt in die richte Richtung. Vor allem was die Strompreisgestaltung anbelangt seien regionale Betreiber oder Stadtwerke wesentlich näher am Bürger als die großen Anbieter. Eger ist sich sicher, dass sich die Versorgungslandschaft in Zukunft grundlegend ändern werde.

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11. November 2009 Zukunftstechnologie oder Verschandelung der Landschaft

Bürger wünschen sich strenge Auflagen bei Freiflächenanlagen

Den regenerativen Energien steht man in der Steinwaldstadt durchaus aufgeschlossen gegenüber. Allerdings will man die Landschaft nicht durch großflächige Photovoltaikanlagen verschandeln. Bei einer Infoversammlung, zu der die CSU/CWL-Stadtratsfaktion eingeladen hatte, wurde der Ruf nach strengen Auflagen bei der Genehmigung solcher Anlagen laut. Die Bürger sorgen sich vor allem um das Landschaftsbild. Das Interesse war da. Rund fünfzig interessierte Bürger kamen zu der Diskussionsveranstaltung. CSU-Fraktionsvorsitzender und 2. Bürgermeister Johannes Reger freute sich über den guten Besuch und konnte unter den Gästen besonders Bürgermeister Hans Donko, 2. Bürgermeisterin Sonja Heindl sowie zahlreiche Stadträte willkommen heißen.
Den Antrag der Wildenreuther Landwirtsfamilie Schieder, die auf ihren Ackerflächen eine Photovoltaik-Freiflächenanlage errichten will, haben wir bei der letzten Stadtratssitzung zurückgestellt, erklärte Reger. Dieser Antrag konnte nicht einfach abgesegnet werden, denn zu groß war der Informationsbedarf und zu unterschiedlich die Meinungen im Gremium. Da es sich um eine Grundsatzentscheidung handele, müsse die Sache gründlich diskutiert werden, so Reger. Für uns sei auch das Meinungsbild in der Bevölkerung ein wichtiges Kriterium für die Entscheidung im Stadtrat, stellte Reger fest.

Energievorräte begrenzt
Die Energieversorgung stünde vor einem grundlegendem Dilemma: zum einen sei hier der schier unstillbare Hunger nach Energie, zum anderem sind die Energievorräte begrenzt. Eine Lösung dieses Zukunftsproblems sei die Nutzung von regenerativen Energiequellen. Grundsätzlich stünde man in Erbendorf solchen alternativen Energiequellen sehr aufgeschlossen gegenüber, stellte der 2. Bürgermeister fest. So habe die Stadt über die Stadtwerke selbst in Photovoltaikanlagen und einem Blockheizkraftwerk kräftig investiert.

Energieerzeugung sichert Überleben
Der Landwirt Siegfried Schieder erläuterte die Beweggründe, warum seine Familie eine Photovoltaik-Freiflächen-Anlage errichte möchte. Nach der Umstellung des Betriebs, auf Pferdehaltung werden die Ackerflächen nicht mehr benötigt. Im Übrigen sei durch Getreideanbau derzeit kaum etwas zu verdienen. Man habe sich deshalb nach Alternativen umgesehen, damit der Hof, der mittlerweile seiner Tochter Ines gehöre, auch weiterhin betrieben werde könne. Und man sei hier sehr schnell auf die Energieerzeugung gekommen. Die Flächen seien für eine Freiflächenanlage optimal geeignet und vom Dorf aus nicht einsehbar.

Keinen Präzedenzfall schaffen
Bei der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass an der geplanten Anlage bei Wildenreuth wohl kaum jemand was dagegen habe. Man dürfe mit der Genehmigung dieses Antrags aber keinen Präzedenzfall schaffen. Bürgermeister Hans Donko ergänzte: „wir müssen uns jetzt schon Gedanken machen, wenn die nächste – vielleicht eine viel größere Anlage beantragt werde. Für den Bürgermeister sei es wichtig, dass für jeden nachvollziehbar sei, warum die eine Anlage genehmigt werde, die andere nicht. Nur ein strenger Kriterienkatalog könne einen ungezügelten Wildwuchs von Photovoltaik-Großanlagen verhindern.

Landschaftsbild nicht verschandeln
Dabei steht die Frage, wie sich eine Freiflächenanlage in das Landschaftsbild einfüge an vorderster Stelle. Ein weiteres Kriterium ist die Anlagengröße. Viel größer, als die jetzt beantragten vier Hektar sollten die Anlagen nicht werden. Hans Donko brachte noch einen weiteren Aspekt in die Diskussion ein: wie weit wird einheimisches Geld mit eingebunden. „Wollen wir dass Auswärtige hier bei uns die Anlagen aufstellen ?” Wir sollten vielmehr darauf achten, dass ein gewisser Anteil der Wertschöpfung in der Region bleibe. Dann wäre auch die Akzeptanz in der Bevölkerung höher als bei anonymen Investoren. Reinhardt Wutz stellte schließlich noch die Frage nach der Entsorgung der Anlagen, nach Ablauf der Laufzeit. „Wer baut die Anlage zurück, wenn sie ausgedient hat?“ Auch diese Frage müsse im Vorfeld geklärt sein.

Der einzig vernünftige Weg sei nach Meinung von Hans Donko die Änderung des Flächennutzungsplanes. Hier könnten alle der genannten Kriterien mit aufgenommen werden. Mit diesem Vorschlag will man am Montag in die Stadtratssitzung gehen.